{"id":412,"date":"2017-11-02T10:51:06","date_gmt":"2017-11-02T09:51:06","guid":{"rendered":"http:\/\/juraferien.pietra.ch\/?page_id=412"},"modified":"2022-08-24T18:09:47","modified_gmt":"2022-08-24T16:09:47","slug":"neuland","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/juraferien.ch\/?page_id=412","title":{"rendered":"Neuland"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-93\" src=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/doubs.jpg\" alt=\"\" width=\"566\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/doubs.jpg 566w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/doubs-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 566px) 100vw, 566px\" \/><\/p>\n\n\n<p>&#8222;diese seltsamen Gegenden&#8230;&#8220; &#8211;   3.Okt.1779, Goethe (im Jura) an Charlotte von Stein:<\/p>\n\n\n\n<p><br>&#8230;..Bald steigen aneinanderh\u00e4ngende W\u00e4nde senkrecht auf, bald streichen  gewaltige Lagen schief nach dem Flu\u00df und dem Weg ein, breite Massen sind  aufeinandergelegt, und gleich daneben stehen scharfe Klippen abgesetzt.  Gro\u00dfe Kl\u00fcfte spalten sich aufw\u00e4rts, und Platten von Mauerst\u00e4rke haben  sich von dem \u00fcbrigen Gesteine losgetrennt. Einzelne Felsst\u00fccke sind  heruntergest\u00fcrzt, andere h\u00e4ngen noch \u00fcber und lassen nach ihrer Lage  f\u00fcrchten da\u00df sie dereinst gleichfalls hereinkommen werden. <br>Bald rund, bald spitz, bald bewachsen, bald nackt sind die  Firsten der Felsen, wo oft noch oben dr\u00fcber ein einzelner Kopf kahl und  k\u00fchn her\u00fcbersieht, und an W\u00e4nden und in der Tiefe schmiegen sich  ausgewitterte Kl\u00fcfte hinein. <br>Mir machte der Zug durch diese Enge eine sch\u00f6ne ruhige  Empfindung. Gro\u00dfe Gegenst\u00e4nde geben der Seele die sch\u00f6ne Ruhe, sie wird  ganz dadurch ausgef\u00fcllt, ahndet, wie gro\u00df sie selbst sein kann, und das  Gef\u00fchl steigt bis gegen den Rand, ohne \u00fcberzulaufen. Mein Auge und meine  Seele konnten die Gegenst\u00e4nde fassen, und da ich rein war, diese  Empfindung nirgends falsch widerstie\u00df, so wirkte sie, was sie sollte.  Vergleicht man solch ein Gef\u00fchl mit jenem, wenn wir uns m\u00fchselig im  Kleinen umtreiben, alles aufbieten, diesem soviel als m\u00f6glich zu borgen  und aufzuflicken und unserm Geist durch seine eigne Kreatur Freude und  Futter zu bereiten, so sieht man erst, wie ein armseliger Behelf es ist. <br>(&#8230;.)<br>Am Ende der Schlucht stieg ich ab und kehrte einen Teil allein  zur\u00fcck. Ich entwickelte mir noch ein tiefes Gef\u00fchl, durch welches das  Vergn\u00fcgen auf einen hohen Grad f\u00fcr den aufmerksamen Geist vermehrt wird.  Man ahnet im dunkeln die Entstehung und das Leben dieser seltsamen  Gestalten. Es mag geschehen sein, wie und wann es wolle, so haben sich  diese Massen nach der Schwere und \u00c4hnlichkeit ihrer Teile, gro\u00df und  einfach zusammengesetzt. Was f\u00fcr Revolutionen sie nachher bewegt,  getrennt, gespalten haben, so sind auch diese doch nur einzelne  Ersch\u00fctterungen gewesen, und selbst der Gedanke einer so ungeheuren  Bewegung gibt ein hohes Gef\u00fchl von ewiger Festigkeit. Die Zeit hat auch,  nach ewigen Gesetzen, bald mehr, bald weniger auf sie gewirkt. <br>Sie scheinen innerlich von gelblicher Farbe zu sein; allein das  Wetter und die Luft ver\u00e4ndern die Oberfl\u00e4che in Graublau, da\u00df nur hier  und da in Streifen und in frischen Spalten die erste Farbe sichtbar ist.  Langsam verwittert der Stein selbst und rundet sich an den Ecken ab,  weichere Flecken werden weggezehrt, und so gibt\u00b4s gar zierlich  ausgeschweifte H\u00f6hlen und L\u00f6cher, die, wann sie mit scharfen Kanten und  Spitzen zusammentreffen, sich seltsam zeichnen. Die Vegetation behauptet  ihr Recht; auf jedem Vorsprung, Fl\u00e4che und Spalt fassen Fichten Wurzel,  Moos und verwandte Kr\u00e4uter s\u00e4umen die Felsen. Man f\u00fchlt tief, hier ist  nichts Willk\u00fcrliches, hier wirkt ein alles langsam bewegendes ewiges  Gesetz und von Menschenhand ist nur der bequeme Weg, \u00fcber den man durch  diese seltsamen Gegenden durchschleicht. &#8230;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2007-M\u00c4rz-April-051-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-123\" srcset=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2007-M\u00c4rz-April-051-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2007-M\u00c4rz-April-051-300x225.jpg 300w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2007-M\u00c4rz-April-051-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Kalkgrotte in Sancey le long:  &#8222;la Baume&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich in diesen &#8222;seltsamen Gegenden&#8220; neu ansiedelt, braucht  V i s i o n e n .. Visionen nicht nur privater Natur. (Solche sind nicht &#8222;nachhaltig&#8220;.)  Was kann denn eigentlich in Europa noch werden?? Kann man seelische Entwicklung und &#8222;sozialpolitische&#8220; Ziele in Einklang bringen? Braucht es als Keimzellen f\u00fcr K\u00fcnftiges nicht &#8222;Kooperativen unverdrossener Eigenwilliger&#8220;? Opferbereitschaft, spielerische Lebensfreude, pers\u00f6nliches &#8222;Karma&#8220; &#8211; wer kann das unter einen Hut bringen, ohje ? Wer ahnt, was das hei\u00dft: der Weg ist das Ziel .. ? <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/heuhaus-etc-005-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-133\" srcset=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/heuhaus-etc-005-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/heuhaus-etc-005-300x225.jpg 300w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/heuhaus-etc-005-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190515_105333-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1014\" srcset=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190515_105333-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190515_105333-300x169.jpg 300w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20190515_105333-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Visionen&#8230;   und ein bisschen Tatendurst..<br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20180804_193219-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1018\" srcset=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20180804_193219-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20180804_193219-300x169.jpg 300w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20180804_193219-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>&#8230;und m\u00f6glichst wenig romantische Illusionen <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_1988-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1047\" srcset=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_1988-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_1988-300x225.jpg 300w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_1988-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>&#8230;. und immer immer &#8222;dranbleiben&#8220;&#8230;.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"634\" height=\"657\" src=\"https:\/\/www.juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Weimarer_Klassik.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1132\" srcset=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Weimarer_Klassik.jpg 634w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Weimarer_Klassik-289x300.jpg 289w\" sizes=\"auto, (max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><figcaption>&#8230;dranbleiben, nicht verzagen.  Kommt Zeit, kommt Rat.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>( Eine Vermutung:  diese vier Gesellen &#8211; es sind die Br\u00fcder Humboldt, Schiller, Goethe &#8211;   hatten folgendes zu besprechen: den<strong> Tod des Menschen durch sein Selbstverst\u00e4ndnis als &#8222;politischer Staatsb\u00fcrger<\/strong>&#8222;.) <\/p>\n\n\n\n<p>Ja,  Europa ist tot, es schl\u00e4ft einen Todesschlaf. Dar\u00fcber sollten wir  Europ\u00e4er uns keinen Illusionen hingeben. Unsere Kultur ist dem Siechtum  verfallen, unser geistiges Leben liegt darnieder, unsere menschlichen  Ressourcen beginnen auszud\u00fcnnen und gebannt blicken wir einer Zukunft  entgegen, in der unsere Gesellschaften vergreisen, die wertsch\u00f6pfende  Arbeit einkommenslos wird und arbeitsloses Einkommen in immer weniger  H\u00e4nden zusammenflie\u00dft. Gesundheitsversorgung, Rentensysteme, \u00f6ffentliche  Sicherheit, Bildung und Arbeit scheinen gef\u00e4hrdet und L\u00f6sungen zeichnen  sich in den Endlosschleifen der \u00f6ffentlichen Palaver kaum ab. Europa  schl\u00e4ft den Schlaf der \u00e4gyptischen Finsternis, den Todesschlaf im  Sarkophag, aber seine Krankheit ist nicht zum Tode. Es ist ein  Todesschlaf, der zur Auferweckung f\u00fchren soll.<\/p>\n\n\n\n<p>(&#8230;.)  1989 begannen die ost- und mitteleurop\u00e4ischen V\u00f6lker, die ein halbes  Jahrhundert unter dem Leichentuch des Gleichheitstotalitarismus begraben  waren, das br\u00fcchig gewordene Linnen abzuwerfen und ihre geschundenen  Seelen dem Licht der Sonne zuzuwenden. Die V\u00f6lker, die einst, vom Geist  der Finsternis zum Nationalismus verf\u00fchrt, wesentlich zum Untergang des  Habsburgerreiches und des alten Europa beigetragen haben, sollen nun am  neuen Europa bauen, indem sie zugleich eine Br\u00fccke zum Osten bilden,  dessen k\u00fcnftige Bestimmung noch hinter einem Schleier verborgen ist. So  wie sie einst unter dem Mehltau der Gleichheit in Lethargie verfallen  sind, sollen sie sich aus der Kraft des Freiheitsideals erneuern, und  das nach Einheit strebende Europa daran erinnern, da\u00df seine Einheit nur  durch Vielfalt leben wird. Aus dem Osten Europas soll das wieder  entz\u00fcndete Licht des Freiheitsbewu\u00dftseins, der Sch\u00e4tzung der  Individualit\u00e4t und des Rechts auf Verschiedenheit in den Westen  leuchten. Die europ\u00e4ische Mitte jedoch mu\u00df aus dem Schatten ihrer  Geschichte hervortreten, die Last der Schuld von den Schultern sch\u00fctteln  und mit dem durch die Verw\u00fcstungen des vergangenen Jahrhunderts  gest\u00e4hlten Bewu\u00dftsein der Menschenw\u00fcrde, des g\u00f6ttlichen, unantastbaren  Kerns in jedem Menschenwesen als das lebendige Gewissen Europas  fungieren. Dem Westen aber wird die Aufgabe zuwachsen, die nach Freiheit  strebenden V\u00f6lker des Ostens und die nach Ausgleich durch das Recht  strebende Mitte an ihre sozialen Verpflichtungen zu erinnern, die nicht  nur auf Europa bezogen sind, sondern auf die Menschheit der ganzen Erde.  <\/p>\n\n\n\n<p>(dies ist ein Auszug aus einem Manifest  von <a href=\"https:\/\/anthroblog.anthroweb.info\/2018\/die-drei-verwuestungen-europas-und-seine-kuenftige-auferstehung\/\">Lorenzo Ravagli: <strong>Die drei Verw\u00fcstungen Europas und seine k\u00fcnftige Auferstehung<\/strong> ) <\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"1724\" src=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220713_145322-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1724\" srcset=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220713_145322-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220713_145322-300x225.jpg 300w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220713_145322-768x576.jpg 768w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220713_145322-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220713_145322-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Getreide Ernte +Dreschen auf Kamo <\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;diese seltsamen Gegenden&#8230;&#8220; &#8211; 3.Okt.1779, Goethe (im Jura) an Charlotte von Stein: &#8230;..Bald steigen aneinanderh\u00e4ngende W\u00e4nde senkrecht auf, bald streichen gewaltige Lagen schief nach dem Flu\u00df und dem Weg ein, breite Massen sind aufeinandergelegt, und gleich daneben stehen scharfe Klippen abgesetzt. 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