{"id":755,"date":"2019-01-11T22:04:58","date_gmt":"2019-01-11T21:04:58","guid":{"rendered":"https:\/\/juraferien.sancho.li\/?page_id=755"},"modified":"2021-02-17T20:12:49","modified_gmt":"2021-02-17T19:12:49","slug":"seminare-am-kaminfeuer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/juraferien.ch\/?page_id=755","title":{"rendered":"Seminare am Kaminfeuer"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/hele1708.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-886\" width=\"397\" height=\"646\"\/><figcaption> <br><strong><em>Tumm giboru und nix derz\u00fcegleert &#8211; und der R\u00e4scht no verg\u00e4ssu.<\/em><\/strong> (<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Walliser Spruch (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/www.walser-museum.ch\/museum\/soziales-wirken\/sprichwort-redensart\/erfahrung-und-beispiel.html\" target=\"_blank\">Valser Spruch<\/a>:  Dumm geboren und nichts dazugelernt &#8211; und den Rest noch vergessen)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Max Stirner- ist das ein &#8222;Waldorf-P\u00e4dagoge&#8220; ?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>anhand des Textes &#8222;\u00dcber das unwahre Prinzip unserer Erziehung&#8220; werden Grundgedanken der Erziehung besprochen. Im Zentrum steht die Frage: Was heisst eigentlich &#8222;Freiheit&#8220;?  (Egoismus vs. Gemeinschaftsbildung)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Friedrich Nietzsche oder: wie weit reicht die Skala der menschlichen Instinkte und Motive  <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p> Um Ostern war das Thema: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Wesen des Menschen:  Denken und Vorstellen \/ Abschied vom Leib-Seele-Problem \/ An die Stelle des klassischen Dualismus tritt die vierfache Natur des Menschenk\u00f6rpers<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(ankn\u00fcpfend an <a href=\"https:\/\/www.edition-lgc.de\/i.php?n=A-buch.B24\">Stirner und Nietzsche<\/a> geht es grunds\u00e4tzlich um die Frage: wie kann Wissen im Willen &#8222;auferstehen&#8220; ? Das Begr\u00e4bnis der griechischen &#8222;Seele&#8220;, die Geburt des Ich im Denken )  <\/p>\n\n\n\n<p> Danach ist ein Seminar geplant:  <strong>Was heisst &#8222;freies Geistesleben&#8220; ?<\/strong>  (Eine Idee oder ein Wesen?)  Das Individuum im Kreuzfeuer der Wirtschafts- und Kapitalm\u00e4chte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/20190102_153644-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-777\" width=\"654\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/20190102_153644-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/20190102_153644-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/20190102_153644-1-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 654px) 100vw, 654px\" \/><figcaption>Hier steht die Welt nicht auf dem Kopf:   Seminare mit Johannes Kartje * und Beat Fontana<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Etwas Literatur ? hier ein p\u00e4dagogischer Artikel von Johannes Kartje :  <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/files.designer.hoststar.ch\/e2\/39\/e239bbb2-1b8c-4fd5-8a7b-bb6708922e0f.pdf\" target=\"_blank\">&#8222;Auf dem Jahrmarkt der Ich-Abstinenz. Bemerkungen zu Waldorf 100&#8220;<\/a>    <\/p>\n\n\n\n<p>Ach ja, &#8222;Waldorf&#8220;: gab&#8217;s da nicht fr\u00fcher mal eine &#8222;Anthroposophie&#8220; ?  Davon gibt es heutzutage mindestens zwei Sorten.  Einer, der das Scheidewasser nicht scheute, war Karl Ballmer.  Wie kommt einer dazu, sich mit  <a href=\"https:\/\/www.edition-lgc.de\/i.php?n=A-buch.B27\">&#8222;Wiederverk\u00f6rperung&#8220;<\/a> herumzuschlagen ? <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20160720_110018-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1032\" srcset=\"https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20160720_110018-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20160720_110018-300x169.jpg 300w, https:\/\/juraferien.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20160720_110018-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Was kommt eigentlich  n a c h  dem technokratischen Zeitalter ?<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>an einem der Seminar-Wochenende kam folgendes zur Sprache: <\/p>\n\n\n\n<p>die soziale Entwicklung vor dem Hintergrund des globalen Kapitals. <strong>Wo sind die Zentren der Macht heute ?<\/strong>  Dollar-Imperium vs. multipolare &#8222;Welt&#8220;. Die Rolle der<a href=\"https:\/\/gtrepp.blogspot.com\/2019\/06\/borsenaquivalenz-eu-schweiz-who-cares.html\"> BIZ (BIS)<\/a> dabei.  <\/p>\n\n\n\n<p>ein Treffen mit<strong> <\/strong><a href=\"https:\/\/gtrepp.blogspot.com\/\"><strong>Gian Trepp aus Z\u00fcrich<\/strong><\/a> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images-na.ssl-images-amazon.com\/images\/I\/61Awr9-DhBL._US230_.jpg\" alt=\"Gian Trepp\"\/><figcaption><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Hohe-Berge-Geschichte-Vorfahren-Oberwallis\/dp\/1985828642\">https:\/\/www.amazon.de\/Hohe-Berge-Geschichte-Vorfahren-Oberwallis\/dp\/1985828642<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dazu gab es Musik und herrliche Verpflegung aus &#8211; hmm-   <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-46437789.html\">Hippel&#8217;s Weinstube <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ja &#8211; Musik , Verpflegung, \u00fcberhaupt: die &#8222;analoge&#8220; Welt, das Denken, das Erinnern und Vorstellen, das F\u00fchlen, die Willensimpulse, das Lieben und Hassen,  der &#8222;eigene&#8220; K\u00f6rper, die Sinne, &#8211;  die ganze liebe Welt-&#8222;Physik&#8220;, die Erde, das vielf\u00e4ltige Klima, der Himmel, die Sterne&#8230;. <\/p>\n\n\n\n<p>Hierzu braucht es eindeutig grunds\u00e4tzliche \u00dcberlegungen.  Weitere Treffen, mit und ohne Spaten oder Melkeimer, sind geplant.   (KAMO ist nat\u00fcrlich dazu geeignet, &#8222;Theorie&#8220; und &#8222;Praxis&#8220;  unter einen Hut zu bringen, manchmal vergn\u00fcglich, manchmal &#8211; schwierig, wie soll man&#8217;s nennen? &#8211; schicksalstr\u00e4chtig.., ) <\/p>\n\n\n\n<p>Ja, immer auf&#8217;s Neue :  grunds\u00e4tzliche \u00dcberlegungen, Begriffsbildungen (Begriffe: man \u00fcbernimmt sie aus Schulbildung, Medien &#8211; kann man sie auch  s e l b e r  bilden ? Unser ganzes &#8222;System&#8220; besteht letztlich aus kollektivem Konsens, verbunden mit der handfesten &#8222;Wirklichkeit&#8220;.. und, vorallem: verbunden mit der vertracktesten aller menschlichen Sch\u00f6pfungen, dem <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.christoph-pfluger.ch\/kurzknapp\/\" target=\"_blank\">&#8222;Geld&#8220;<\/a>.)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Nun, die Begriffsbildungen, die Ideen, das &#8222;System&#8220; &#8211; gibt es daf\u00fcr nicht die edle &#8222;Wissenschaft&#8220; &#8211; m\u00fcsste nicht  s i e  den Ausweg aus den permanenten Krisen (von der sanit\u00e4ren bis zur Finanzkrise) zeigen? W\u00e4re dazu das Gespr\u00e4ch zwischen den Wissenszweigen nicht notwendig? <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Zum Gespr\u00e4ch zwischen den Fakult\u00e4ten<\/strong>,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"> bez\u00fcglich eines Irrtums betr. <em><strong>willk\u00fcrliche K\u00f6rperbewegung<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(&#8230;.)<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re gewiss unerw\u00fcnscht, wenn ein Gespr\u00e4ch der Fakult\u00e4ten zum \u2013 ich bitte den harten Ausdruck zu gestatten \u2013 &#8222;Weltanschaungsgeschw\u00e4tz&#8220; w\u00fcrde. Dessen Vermeidung d\u00fcrfte am ehesten zu erreichen sein, wenn es m\u00f6glich ist, eine konkrete wissenschaftliche Sachfrage derart hinzustellen, dass an ihr <em>alle<\/em> Fakult\u00e4ten aus ihren je eigensten Voraussetzungen und aktuellen Interessen heraus echt wissenschaftlichen Anteil nehmen k\u00f6nnen. Ich stie\u00df bei Rudolf Steiner auf eine solche konkrete Sachfrage, die es m.E. in sich hat, das st\u00e4rkste Interesse sowohl von Seiten der Theologie, wie nicht minder von Seiten der Psychologie, Physiologie, Physik und nicht zuletzt der Astronomie erregen zu k\u00f6nnen. Die in der gemeinten Sachfrage behandelte Sache sind die menschlichen Nerven, und die Anregung f\u00fcr das &#8222;Gespr\u00e4ch der Fakult\u00e4ten&#8220; liegt in der Behauptung und Lehre Rudolf Steiners, dass die Annahme besonderer &#8222;motorischer&#8220; Nerven irrt\u00fcmlich sei. Hier\u00fcber f\u00fchrt Rudolf Steiner aus (in dem Buche &#8222;Anthroposophie, Psychosophie, Pneumatosophie&#8220;, das aus Nachschriften von in Berlin in den Jahren 1909, 1910 und 1911 gehaltenen Vortr\u00e4gen besteht, Seite 81):<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sie k\u00f6nnen in vielen physiologischen B\u00fcchern finden: Wenn wir irgendwie die Hand oder das Bein bewegen, so k\u00e4me das daher, dass wir in unserem Organismus nicht nur solche Nerven haben, die von den Sinnesorganen zum Gehirn oder R\u00fcckenmark gehen und die Botschaft gleichsam dorthin leiten; sondern \u00fcberall wird die Sache so dargestellt, als ob diesen Nerven andere gegen\u00fcberst\u00fcnden, die man im Gegensatz zu den Empfindungs- oder Wahrnehmungsnerven Bewegungsnerven nennt. Wenn ich also den Gegenstand sehe, so wird die Botschaft der Sinnesorgane zun\u00e4chst zum Gehirn geleitet, und man glaubt nun, dass der dort ausge\u00fcbte Reiz dann zun\u00e4chst ausstr\u00f6me auf einen Nerv, der zum Muskel geht, und dass <em>dann erst<\/em> der Ansporn zur Bewegung erfolge. Vor den Augen der Geisteswissenschaft aber ist es nicht so. Was hier Bewegungsnerv genannt wird, ist als physisches Gebilde tats\u00e4chlich da, dient aber nicht dazu, die Bewegung auszul\u00f6sen, sondern nur die <em>Bewegung selber wahrzunehmen<\/em>, zu kontrollieren, um ein Bewusstsein von der Eigenbewegung zu haben. Geradeso, wie der Augennerv, durch den Sie einen \u00e4u\u00dferen Vorgang wahrnehmen, ein Empfindungsnerv ist, so ist auch Ihr Muskelnerv, der zur Hand geht, ein Empfindungsnerv, um die Bewegung Ihrer Hand zu kontrollieren. Dieser wissenschaftliche Denkfehler \u00fcber die sogenannten Bewegungsnerven ist ein Kapitalfehler, der die ganze Physiologie und Psychologie verdorben hat.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden versuche ich, das Interesse wenigstens kurz anzudeuten, das von den verschiedensten wissenschaftlichen Arbeitsgebieten her der Sachfrage &#8222;Motorische Nerven?&#8220; entgegengebracht werden kann. (Es wird nicht speziell die Basler Universit\u00e4t ins Auge gefasst; die Ausf\u00fchrungen gelten der Situation an den heutigen Universit\u00e4ten im allgemeinen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der philosophischen Fakult\u00e4t ist stark die optimistische Meinung im Schwange, es gehe eine Erneuerung des philosophischer Denkens aus von Franz Brentano (geboren 1838, gestorben in Z\u00fcrich am 17. 3. 1917), der die Befreiung von dem willk\u00fcrlich konstruierenden Kant, dem bisher ma\u00dfgeblichen Universit\u00e4tsphilosophen, eingeleitet habe. Brentano nimmt optimistisch an, sein &#8222;Ich&#8220; sei eine Substanz. Dieser Optimismus ist nicht gerechtfertigt, denn gegen ihn sprechen nicht nur zahlreiche sehr stichhaltige Gr\u00fcnde aus den naturwissenschaftlich orientierten Fachgebieten, sondern auch schon die philosophische \u00dcberlegung, dass das &#8222;Ich&#8220; aus dem Grunde keine Substanz sein kann, weil es im Schlafe einfach nicht existent ist. Mit dem Wesen einer geistigen Substanz ist es aber nicht vertr\u00e4glich, einmal zu sein und einmal nicht zu sein. Unter der Voraussetzung, sein &#8222;Ich&#8220; sei eine Substanz, beansprucht Brentano f\u00fcr sich eine &#8222;innere Wahrnehmung&#8220;, und meint damit &#8222;die innere Wahrnehmung der eigenen psychischen Ph\u00e4nomene&#8220;. Von Ihro Evidenz der &#8222;inneren Wahrnehmung&#8220; (ein Ausdruck Brentanos) l\u00e4sst sich Brentano z.B. die Evidenzgef\u00fchle im urteilenden Denken besorgen, oder er besorgt mit Hilfe seiner behaupteten &#8222;inneren Wahrnehmung&#8220;, zur Erheiterung von geringeren Optimisten, die L\u00f6sung des Hume&#8217;schen Problems. Schon vor Erscheinen von Brentanos &#8222;Psychologie&#8220; (l874), also vor Brentanos vorgeblicher Erneuerung der Philosophie, wurden treffende Gr\u00fcnde gegen das Bestehen einer inneren Wahrnehmung von dem unvergleichlichen Friedrich Albert Lange ins Feld gef\u00fchrt. Vom Schreibenden ist hier die Auffassung zu vertreten, die Behauptung innerer Wahrnehmung durch Brentano sei nichts als arrogante Illusion. Rechtschaffen betont \u00fcbrigens Brentano, dass er unter seiner &#8222;inneren Wahrnehmung&#8220; nicht eine innere <em>Beobachtung<\/em> verstanden wissen will; die letztere sei unm\u00f6glich, denn: wer den Zorn, der in ihm gl\u00fcht, beobachten wollte, bei dem w\u00e4re er bereits abgek\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Annahme einer vorgeblichen &#8222;inneren Wahrnehmung&#8220; hat sich eindrucksvoll ad absurdum gef\u00fchrt. Im 19. Jahrhundert huldigte einer der gro\u00dfen Begr\u00fcnder der modernen Physiologie, Johannes M\u00fcller, der Illusion einer inneren Wahrnehmung. In seinem 1840 erschienenen Handbuch der Physiologie behauptete Johannes M\u00fcller (mit peinlicher Naivit\u00e4t, wie der heutige Physiologe wird sagen m\u00fcssen): die vom Gehirn zu den Muskeln gehenden Innervationen w\u00fcrden als solche <em>unmittelbar empfunden<\/em>. Die Unm\u00f6glichkeit dieser Annahme wurde durch psychologische (W. James) und physiologische (Hering) Untersuchungen klargestellt. Wenn wir das <em>Ziel<\/em> einer auszuf\u00fchrenden Bewegung, etwa die Hebung des Beines, <em>vorstellen<\/em>, so erfahren wir anschlie\u00dfend, indem wir die Bewegung ausf\u00fchren, keinen vom Gehirn in die Muskeln fahrenden &#8222;Energiestrom&#8220;; wir erfahren erst \u2013 nach Mach, in \u00dcbereinstimmung mit den unzweifelhaften Einsichten heutiger Physiologie \u2013 die <em>ausgef\u00fchrte<\/em> Bewegung durch peripherische Wahrnehmungen an der Haut, der Muskeln, B\u00e4nder usw.; oder wir k\u00f6nnen mit Steiner sagen, der f\u00e4lschlich so genannte &#8222;Bewegungsnerv&#8220; diene, indem er die <em>ausgef\u00fchrte<\/em> Bewegung wahrnimmt, der Kontrolle der Bewegung. Diese fundamentale Einsicht der modernen Psychophysiologie, die heute von niemandem bezweifelt wird, d\u00fcrfte die Annahme beg\u00fcnstigen, dass es nicht zweierlei Nerven gibt. Von den Fachleuten wurde indessen kein Antrieb versp\u00fcrt, den Dualismus von sensorischen und motorischen Nerven prinzipiell aufzugeben, obschon die anatomische Nichtverschiedenheit der angeblichen zwei Arten von Nerven ein solcher Antrieb h\u00e4tte sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es soll hier nat\u00fcrlich nicht behauptet werden, die Unm\u00f6glichkeit einer &#8222;inneren Wahrnehmung&#8220; werde durch einwandfreie Einsichten der Physiologie &#8222;bewiesen&#8220;. Dagegen k\u00f6nnte, indem die Sachfrage &#8222;Motorische Nerven?&#8220; mitten <em>zwischen<\/em> die auseinanderstrebenden Fakult\u00e4ten gestellt wird, der Psychologe und Philosoph sich vom Physiologen zu der Vermutung ermuntern lassen, die von Brentano behauptete &#8222;innere Wahrnehmung&#8220; (sie ist der Ausgangspunkt f\u00fcr den grassierenden akademischen Zeitvertreib der Husserlschen Bewusstseinserforschung) sei m\u00f6glicherweise ein blindes Vorurteil, und die Anerkennung der Nichtexistenz besonderer &#8222;motorischer&#8220; Nerven k\u00f6nne eine Anregung sein, antiquarische Pr\u00e4tentionen aufzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Leser wird die Frage auf den Lippen haben, ob denn das Studium der Werke Rudolf Steiners zu der allgemeinen Feststellung f\u00fchre: &#8222;Es gibt keine innere Wahrnehmung&#8220;. Dem Fragenden kann geantwortet werden: Die Geisteswissenschaft im Sinne Steiners lehrt keine innere Wahrnehmung als Sonderart von Wahrnehmung \u00fcberhaupt. Wenn es so etwas g\u00e4be wie die Wahrnehmung eines &#8222;Ich&#8220;, so w\u00e4re solche Ich-Wahrnehmung von prinzipiell gleicher Art wie die Wahrnehmung eines Birnbaumes. &#8222;H\u00f6here Erkenntnisse&#8220; (vgl. den Titel des Grundbuches &#8222;Wie erlangt man Erkenntnisse h\u00f6herer Welten?&#8220;) sind alles andere, nur nicht \u2013 mit den Worten Brentanos \u2013 : &#8222;die innere Wahrnehmung der eigenen psychischen Ph\u00e4nomene&#8220;. Die vollkommene Wahrnehmung w\u00e4re nach Brentano offenbar die Wahrnehmung des eigenen substanziellen &#8222;Ich&#8220;. Der Sch\u00fcler der Geisteswissenschaft verzichtet auf die Zumutung Brentanos, der &#8222;kapitalistische Besitzer&#8220; einer Ich-Substanz zu sein. Eine &#8222;Seele&#8220; \u2013 f\u00fcr mehr als eine der Fakult\u00e4ten eine sehr fragliche Sache \u2013 kann sich der Sch\u00fcler der Geisteswissenschaft nicht mit den Denkmitteln des Aristoteles vorstellen \u2013 als das Form- und Lebensprinzip des K\u00f6rpers mit hinzutretender Denkseele. Er findet, der Heide Aristoteles rede irre \u00fcber die &#8222;Seele&#8220;. Der Sch\u00fcler der Anthroposophie findet sich damit ab, dass er zun\u00e4chst von seinem &#8222;Ich&#8220; nicht mehr wei\u00df als von seinem Tode. Er kann die Vorstellung &#8222;Seele&#8220; und &#8222;Ich&#8220; nur wagen, indem er die Auferstehung des K\u00f6rpers eines Gekreuzigten glaubt; &#8222;Seele&#8220; und auferstehender Leib sind ihm das Gleiche. Er kann sich nicht erlauben, im Stile von &#8222;nat\u00fcrlicher Theologie&#8220; und &#8222;christlicher Philosophie&#8220; unter &#8222;Seele&#8220; eine Naturtatsache zu verstehen. Seine Resignation befindet sich dabei in bester \u00dcbereinstimmung mit der echten, sich selbst verstehenden Naturforschung, die ihrerseits nirgends auf eine Naturtatsache &#8222;Seele&#8220; gesto\u00dfen ist. Die streng <em>wissenschaftliche<\/em> Hoffnung, \u00fcber &#8222;Seele&#8220; nicht mythologisch, sondern <em>wissenschaftlich<\/em> sprechen zu k\u00f6nnen, hei\u00dft dem Sch\u00fcler der Geisteswissenschaft: Christus-Impuls. Wenn ich <em>wissend<\/em> so etwas wie &#8222;Ich&#8220; oder &#8222;Substanz&#8220; ergreifen und verstehen will, dann br\u00fcte ich nicht in meinem &#8222;Ich&#8220; und &#8222;Innern&#8220;, sondern ich fasse den Entschluss, in den Mitteilungen der geistigen Welt (Geisteswissenschaft), die ich nicht &#8222;glaube&#8220;, sondern die ich <em>denke<\/em>, geistig Substantielles <em>wahrzunehmen<\/em>. Das ist genau das Gegenteil der Brentanoschen arrogant-illusion\u00e4ren &#8222;inneren Wahrnehmung&#8220;. Der technische Ausdruck der Anthroposophie zur Bezeichnung des Objektes meiner <em>Wahrnehmung<\/em> von substanziellem &#8222;Ich&#8220; lautet: die Erscheinung des Christus in seinem \u00c4therleibe seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Das Wahrgenommene ist die notwendige <em>Ursache<\/em>, zu der solche Menschen, die <em>wissend<\/em> mit Sinn zu sich &#8222;ich&#8220; sagen wollen, in Freiheit die <em>Wirkung<\/em> sein k\u00f6nnen. Indem der Sch\u00fcler der Geisteswissenschaft zu sich &#8222;ich&#8220; sagt, kann er nicht ein Privateigentum meinen; sein &#8222;Ich&#8220; ist von vornherein und prinzipiell eine gesellschaftlich-soziale Angelegenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Hindeutungen werden hier aus dem Grunde gemacht, weil die zur Diskussion gestellte Sachfrage (&#8222;Gibt es motorische Nerven?&#8220;) aus der <em>Anthroposophie<\/em> erw\u00e4chst, weshalb es n\u00f6tig erscheint, die Stellung der Geisteswissenschaft (Anthroposophie) zu den traditionellen M\u00e4chten der geistigen Kultur und Religion wenigstens andeutungsweise zu kennzeichnen. Weil der anthroposophische Christus-Begriff aus dem Vorstellungsbesitz der Vertreter des Historischen nicht abgeleitet werden kann, ist es ebenso notwendig wie verst\u00e4ndlich, dass er Beargw\u00f6hnung oder Ablehnung hervorrufen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Es besteht durchaus die M\u00f6glichkeit, der Universit\u00e4t das Besondere und Spezifische der Anthroposophie sichtbar zu machen. Als Mittel bietet sich z.B. der Vorgang an, dass vom anthroposophischen Gesichtspunkte aus das philosophische Anliegen des k\u00fcrzlich verstorbenen Basler Ordinarius Prof. <a href=\"https:\/\/www.edition-lgc.de\/i.php?n=Pr.Pr0100\">Herman Schmalenbach<\/a> <em>so ernst<\/em> gew\u00fcrdigt wird, wie man w\u00fcnschen m\u00f6chte, dass es auch von der Gesamtuniversit\u00e4t gew\u00fcrdigt werde. Das stille Philosophentum Schmalenbachs schrie es nicht in die Welt, dass da ein hoffnungsstarker Bearbeiter von Brachland und wahrer Entdecker am Werke war. <a href=\"https:\/\/www.edition-lgc.de\/i.php?n=Pr.Pr0100\">Schmalenbach<\/a> findet &#8222;Geist&#8220; (Logoshaftes) in der unmittelbaren <em>Sinneswahrnehmung<\/em>, eindrucksvoll im Gegensatz zu einem Franz Brentano, der hochfahrend nach den Rezepten des englischen Agnostizismus die sinnliche Wahrnehmung \u2013 sehr antigoethisch \u2013 eine &#8222;Falschnehmung&#8220; nennt, weil angeblich erst die Urteilst\u00e4tigkeit von Ihro innerer Eminenz und Evidenz dar\u00fcber zu befinden habe, was die Welt durch die &#8222;Falschmeldung&#8220; hindurch simuliert. <a href=\"https:\/\/www.edition-lgc.de\/i.php?n=Pr.Pr0100\">Schmalenbach<\/a> findet,dass wir die Welt <em>durch geistiges Wissen hindurch<\/em> erfassen, und er muss doch wohl als das Subjekt dieses Wissens die Welt selbst vermuten. Dementsprechend versteht sich seine &#8222;Logik&#8220;, das hei\u00dft einfach sein wissenschaftliches Wissen, als &#8222;<em>Philosophie vom Logos<\/em>&#8222;; er ist erf\u00fcllt von dem Gedanken, dass nicht nur im menschlichen Welt-Zuschauer, sondern in der Welt selbst der &#8222;Logos&#8220; auf dem Plane ist, manifest in der sinnlichen Wahrnehmung wie im Denken.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.edition-lgc.de\/i.php?n=Pr.Pr0100\">Herman Schmalenbach<\/a> bestreitet, dass der Logos &#8222;wirklich&#8220; sei. Der Sch\u00fcler der Anthroposophie k\u00f6nnte dieser zentralen These Schmalenbachs zustimmen, wenn sie ausdr\u00fccken soll, es sei im Grunde genommen Vermessenheit, dem Logos aus blo\u00df philosophischer Vollmacht Pr\u00e4dikate zu erteilen. Das seri\u00f6se Studium der Geisteswissenschaft f\u00fchrt zu der Anerkenntnis, &#8222;der Logos&#8220; und &#8222;das Wirkliche&#8220; seien zwei Namen f\u00fcr das Gleiche. Und zu der Anerkenntnis: Der Logos oder das Wirkliche ist ein absolut transzendenter \u00fcbersinnlicher k\u00f6rperlicher Mensch. Anthroposophie stellt die Zumutung, das &#8222;Wirkliche&#8220; in der logischen Form der &#8222;Wirklichkeit des Widerspruchs&#8220; zu denken, auch wenn Brentano per innere Evidenz annimmt, was schon Thomas von Aquino annahm: sogar Gott habe sich nach den Regeln der aristotelischen Logik zu verhalten, die dem Gott das <em>K\u00f6nnen<\/em> der &#8222;Wirklichkeit des Widerspruchs&#8220; verbieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6pferm\u00e4chtigkeit macht den absolut transzendenten Logos im Prozesse der Welt- und Menschheitsentwicklung <em>wahrnehmbar,<\/em> sinnlich und denkerisch. Nur Bewusst-Seiendes kann \u00fcberhaupt wahrnehmbar werden. Anthroposophie kann die grauenhafte Verirrung nicht mitmachen, die seit Locke den Menschengeist verw\u00fcstet: die Annahme, die Welt k\u00f6nne wahrnehmbar [sein], ohne selbst <em>wahrnehmend<\/em> zu sein. Der Weltvorgang bedeutet: der absolut transzendente Logos macht sich wahrnehmbar. Wir sind als Einzelmenschen mit unserer Wahrnehmungst\u00e4tigkeit in die Wahrnehmungst\u00e4tigkeit der Welt selbst (des Logos) <em>eingeschaltet<\/em>. Wir erfahren \u2013 mit <a href=\"https:\/\/www.edition-lgc.de\/i.php?n=Pr.Pr0100\">Herman Schmalenbach<\/a> zu sprechen \u2013 die Welt &#8222;durch Wissen hindurch&#8220;, n\u00e4mlich durch das Wissen des Weltsubjektes hindurch. Unsere Wahrnehmungen sind <em>Tatsachen des Leibes<\/em>, der seiner Wirklichkeit nach der Leib des Logos ist. Der Oberbegriff f\u00fcr &#8222;Bewusstsein&#8220; hei\u00dft: LEIB. Die wahrgenommene Welt besteht nicht aus den Elementen der Mach&#8217;schen Empfindungen, sondern aus den (au\u00dferzeitlichen) Sinnes-<em>Wirkungen<\/em> des sch\u00f6pferischen Leibes, der <em>als<\/em> Leib Geist ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sch\u00fcler der Geisteswissenschaft vermag die These des Physik-Philosophen Jeans ernst zu nehmen, zu der dieser sich aus dem Status der modernsten Physik gedr\u00e4ngt sieht: die <em>wirklichen<\/em> physikalischen Weltvorg\u00e4nge spielten sich nicht in Raum und Zeit ab. Der Sch\u00fcler der Geisteswissenschaft sieht sich seinerseits veranlasst, unter dem &#8222;Wirklichen&#8220; der physikalischen Weltvorg\u00e4nge den Prozess vorzustellen: Aktuell ewig <em>wird<\/em> der Logos, was er schon immer <em>ist<\/em>. Indem es dem Aktuell-Ewigen gef\u00e4llt, sich als Seele der Welt einzusenken, gibt es in unserer Welt: <em>Zeit<\/em>. Der Versuch Heideggers, dem Zeitproblem durch Ignorierung der Zeitlosigkeit (Ewigkeit) beizukommen, ist ganz aussichtslos. Der anthroposophische &#8222;Evolutionismus&#8220; basiert nicht auf unverbindlichen Orientalismen und nicht auf plattem westlichem &#8222;Monismus&#8220;, sondern auf der Grundtatsache des sch\u00f6pferm\u00e4chtigen: Ewig <em>wird<\/em> der Logos, was er schon ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was Bewegungsnerv genannt wird, dient nicht dazu, die Bewegung <em>auszul\u00f6sen<\/em>, sondern nur die Bewegung <em>wahrzunehmen<\/em>, um ein Bewusstsein von der Eigenbewegung zu haben&#8220; (R. St.). Der Vorgang der Bewegung eines menschlichen K\u00f6rpergliedes bedeutet eine <em>Ver\u00e4nderung im physischen Universum<\/em> und geht unter diesem Gesichtspunkte die Fakult\u00e4t der <em>Physiker<\/em> (und der Astronomen!) an. Der Physiker, seit Galilei und Newton, wenn er sich konsequent an seine Wissenschaft h\u00e4lt, kann eine &#8222;Eigenbewegung&#8220; des einzelnen Menschen nicht zugeben. Er wird selbstverst\u00e4ndlich das subjektive Erlebnis der Eigenbewegung nicht bestreiten, doch wird er sagen, dieses Erlebnis sei eine jener dem Leben dienlichen unwissenschaftlichen Illusionen, die zum menschlichen Dasein unentbehrlich sind, wie etwa auch die zweifellosen Erlebnisse des &#8222;freien Willens&#8220;. Sofern der Physiker es mit einem Etwas zu tun hat, das &#8222;sich&#8220; bewegt, so hei\u00dft ihm dieses Etwas die Welt-Substanz oder &#8222;Materie&#8220;. Daran haben die modernsten Komplikationen des Dynamismus \u2013 mit der Vorstellung einer Komplementarit\u00e4t von &#8222;Welle&#8220; und &#8222;Korpuskel&#8220; \u2013 im Prinzip nicht das mindeste ge\u00e4ndert. Wenn es nicht \u00fcblich ist, die Physiker als Gottesgelehrte anzusehen, und auch diese selbst sich nicht als Theologen vorkommen, obschon man gelegentlich metaphorisch von einer &#8222;Physikkirche&#8220; sprechen h\u00f6rt, so sollte man ihnen dennoch im vollen Ernste die Ehre antun, sie als M\u00e4nner der Gottesgelehrtheit anzuerkennen. Ihr Gott, die Substanz in ihrer Dynamik, ist zwar ein materialistisch vorgestellter Gott, doch immerhin ein Gott. Die Physiker verherrlichen des Gottes Sichselbstgleichheit im Energieerhaltungssatz; den Physikern hei\u00dft des Gottes Best\u00e4ndigkeit &#8222;Beharrungsverm\u00f6gen&#8220;; und das \u00c4u\u00dferste der physikalischen Gottesverehrung w\u00e4re die &#8222;Undurchdringlichkeit&#8220; des Gottk\u00f6rpers. Der Galilei-Newtonsche Dynamismus hat nicht nach dem <em>Ursprunge<\/em> der Bewegung zu fragen, er setzt deren Dasein einfach voraus. Im vergangenen Jahrhundert der &#8222;Erkenntniskritik&#8220; forschte Dubois-Reymond nach dem ersten Ursprung der Bewegung \u00fcberhaupt; dabei ergab sich als Forschungsresultat eines der sieben unl\u00f6sbaren &#8222;Weltr\u00e4tsel&#8220;. Bei der Nachfrage nach dem all[er]ersten Ursprung der Bewegung wird der Physiker-Mechaniker unvermeidlich an den &#8222;Anfang der Welt&#8220; verwiesen, von dem er, weil er Goethe nicht ernst nimmt, nicht einmal wei\u00df, dass er in die Gegenwart fallen kann. Daher verbieten sich die Physiker, nach der &#8222;Ursache&#8220; der Bewegung zu fragen. Und schon gar die allgemein volkst\u00fcmliche Vorstellung, die einen Willensakt als das Verursachende einer menschlichen K\u00f6rperbewegung ansieht, muss vom Physiker unter die unwissenschaftlichen, aber praktisch n\u00fctzlichen Fiktionen des &#8222;Als Ob&#8220; gerechnet werden. Der mit der Willensvorstellung verwandte Begriff der &#8222;Kraft&#8220; ist aus der Vorstellungswelt des modernen Physikers so gut wie eliminiert; man hat es nur mit rechnerisch fixierbaren Bedingungen der Ausl\u00f6sung oder Hemmung der Bewegung der Weltsubstanz zu tun. Der Begriff einer menschlichen k\u00f6rperlichen &#8222;Eigenbewegung&#8220; ist dem Physiker ein sinnloses Wort.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch f\u00fcr den Physiologen und Neurologen ist eine &#8222;Kraft&#8220; oder ein &#8222;Wille&#8220; als Erkl\u00e4rungsprinzip f\u00fcr &#8222;Eigenbewegung&#8220; nicht auffindbar. Wie steht es dann mit den sogenannten &#8222;willk\u00fcrlichen Handlungen&#8220;? Die redlichen Forscher des Positivismus haben sich mit der subtilen Analyse der Willk\u00fcrhandlung befasst. Sie vermieden es dabei, von einer juristisch definierten Seelensubstanz des Einzelmenschen als Aktionsprinzip f\u00fcr &#8222;Eigenbewegung&#8220; auszugehen. Man ging zweckm\u00e4\u00dfiger von der auch beim Tiere beobachteten Reflexhandlung aus, die von vornherein den Handelnden und seine Umwelt als einheitlichen Komplex erfasst. Es ging vorz\u00fcglich um die Frage, ob man naturwissenschaftlich \u00fcberhaupt bei der sogenannten Willk\u00fcrhandlung mit Sinn von einem &#8222;Willen&#8220; sprechen k\u00f6nne. Wenn die redlichen Positivisten, Mach, Mauthner, Ziehen, \u00fcber den Willen nachdenken, so kommen sie zu unanfechtbaren Einsichten, die ihnen klar machen, dass &#8222;Wille&#8220; nichts sei als ein bequemer Name, dass es so etwas wie einen Willen zun\u00e4chst \u00fcberhaupt nicht gebe. Damit schien das respektable theologische Ethikkapitel \u00fcber die &#8222;Willensfreiheit&#8220; kaltgestellt, die gewaltigen geistigen K\u00e4mpfe rund um den &#8222;Pelagianismus&#8220; mit ihren reformatorischen und tridentinischen Komponenten in das Reich illusion\u00e4rer menschlicher Pr\u00e4tentionen verwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Willensfrage sagt der ebenso redliche wie gescheite Mach: &#8222;Die willk\u00fcrliche Bewegung ist eine durch die <em>Erinnerung<\/em> beeinflusste Reflexbewegung. Wir k\u00f6nnen keine willk\u00fcrliche Bewegung ausf\u00fchren, welche nicht als Ganzes oder in ihren Teilen schon als Reflexbewegung oder Instinkthandlung aufgetreten und von uns als solche w\u00e4re <em>erfahren<\/em> worden\u2026 Die <em>Modifikation<\/em> der Reflexvorg\u00e4nge, welche durch die im Bewusstsein auftretenden Erinnerungsspuren bestimmt ist, nennen wir <em>Willen<\/em>\u2026 Der aufmerksame Beobachter muss zugeben, dass <em>Innervationsempfindungen<\/em> nicht wahrzunehmen sind, dass man nicht wei\u00df, <em>wie<\/em> man eine Bewegung ausf\u00fchrt\u2026 Wir stellen uns das <em>Ziel<\/em> der Bewegung vor, und erfahren erst die ausgef\u00fchrte Bewegung.&#8220; Anschlie\u00dfend wartet der gro\u00dfe Mach mit einer &#8222;Erkl\u00e4rung&#8220; auf, die katastrophal genannt werden darf, sofern man die Lehre Rudolf Steiners von der Nichtexistenz &#8222;motorischer&#8220; Nerven als fundierte Arbeitshypothese respektiert. Mach meint: &#8222;So wie sich also Vorstellungen durch Vorstellungen im Bewusstsein erg\u00e4nzen, so k\u00f6nnen sich auch Erinnerungen an sinnliche Empfindungen durch die zugeh\u00f6rigen <em>motorischen<\/em> Prozesse <em>assoziativ<\/em> erg\u00e4nzen, wobei aber diese letzteren nicht mehr ins Bewusstsein fallen.&#8220; Ich f\u00fcrchte stark, der geniale Mach habe hiermit einen redlichen Nonsens gelassen ausgesprochen. Ich kann mir unter einer Assoziierung von Vorstellungen mit &#8222;motorischen Prozessen&#8220;, d.h. mit elektrischen Vorg\u00e4ngen, nichts vorstellen; ich kann mir vorstellen, dass Vorstellungen mit Vorstellungen sich assoziieren, aber ich kann mir schlechterdings nicht den Gedanken zumuten, dass Vorstellungen mit elektrischen Vorg\u00e4ngen \u2013 im Stile englischer Psychologie \u2013 sich &#8222;assoziieren&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><code>Zitatquelle Mach: Erkenntnis und Irrtum, 4. Auflage Leipzig 1920, S.61ff<\/code><\/p>\n\n\n\n<p>Auch Machs positivistische Erkl\u00e4rung der willk\u00fcrlichen Handlung als modifizierter Reflexhandlung nimmt also an, die Bewegung eines K\u00f6rpergliedes werde durch &#8222;motorische Prozesse&#8220; <em>ausgel\u00f6st<\/em>. Diese Lehre ist nach Rudolf Steiner irrt\u00fcmlich, die angeblichen &#8222;motorischen&#8220; Nerven besorgen nicht die Ausl\u00f6sung der Bewegung, sondern vermitteln die <em>Wahrnehmung<\/em> der <em>vollzogenen<\/em> Bewegung. <em>Wie aber kann Steiner dann die Lehre von einem &#8222;Bewusstsein der Eigenbewegung&#8220; vertreten?<\/em> Der konsequente Physikalismus darf unter dem &#8222;Bewusstsein der Eigenbewegung&#8220; nichts als eine lebensdienliche, unwissenschaftliche Illusion und Als-Ob-Fiktion verstehen. Subjekt des Bewegtseins ist dem Physiker einzig die eine Welt-Substanz, und dieser eignet kein Bewusstsein. Ein <em>sich Wissen<\/em> der einzelmenschlichen &#8222;Eigenbewegung&#8220; ist f\u00fcr den konsequenten Physikalismus eine Unm\u00f6glichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier fr\u00e4gt es sich, ob die Hoffnung und Forderung der Philosophie Herman Schmalenbachs, Wissenschaft solle &#8222;Wissen vom Logos&#8220; sein, den Blick frei machen will auf eine revidierte <em>Wahrnehmungslehre<\/em>. Diese revidierte Wahrnehmungslehre wei\u00df und versteht die Tatsachen der ohne unser Zutun gegebenen Sinneswahrnehmungen als die sch\u00f6pferische Aktion des <em>Sich-Wahrnehmbar-Machens<\/em> des Logos. Objekt unserer Wahrnehmung ist die selbst <em>wahrnehmende<\/em> Welt, der Logos, &#8222;der Mensch&#8220; als solcher, Einer, durch den die den Namen des Menschen Tragenden an der <em>Wirklichkeit<\/em> teilnehmen. In das Tun des Einen sind wir mit unserer einzelmenschlichen Wahrnehmungst\u00e4tigkeit als Teilnehmer eingeschaltet. Wenn nun die &#8222;<em>wirkliche<\/em>&#8220; Eigenbewegung dem Logos vorbehalten ist, dann wird &#8222;Bewusstsein der Eigenbewegung&#8220; f\u00fcr den Einzelmenschen hei\u00dfen: <em>Wahrnehmung<\/em> der Eigenbewegung kraft Teilnahme am &#8222;Wirklichen&#8220;, d.h. am Wirker.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem ernsthaft das Studium der Geisteswissenschaft Betreibenden wird es nicht erlassen, <em>Goethe<\/em> ernst zu nehmen. Indem der Sch\u00fcler Rudolf Steiners sein Erschrecken \u00fcber diese Zumutung zu b\u00e4ndigen versucht, sieht er den Galilei-Newton-Einsteinschen Physikalismus vor die Frage gestellt \u2013 um es drastisch auszudr\u00fccken: Goethe oder nicht Goethe? Eine auf Goethesche Prinzipien gegr\u00fcndete physikalische Bewegungslehre wird das <em>Urph\u00e4nomen<\/em> aufzusuchen und anzuschauen haben, das den Begriff &#8222;Ursprung der Bewegung&#8220; durch eine <em>Tatsache<\/em> &#8222;definiert&#8220;: Es gibt, dem Galileismus und aller Relativistik zum Trotz, den K\u00f6rper, der sich aus und durch sich selbst ver\u00e4ndert und bewegt. Es ist der &#8222;wirkliche&#8220; menschliche K\u00f6rper. Er bewegt sich als seine <em>Wachstumsvorg\u00e4nge<\/em>; es ist also unsinnig, den Bewegungsbegriff nur einseitig mechanistisch zu handhaben. In der willk\u00fcrlichen Handlung ist die Selbstbewegung des K\u00f6rpers von Selbstbewusstseinsvorg\u00e4ngen begleitet. Unter dem ersten <em>Anfang<\/em> und dem Wesen der Welt-Bewegung darf man sich einen Handelnden vorstellen, der aus freiem Willen agiert, was dort der Fall w\u00e4re, wo Einer im handelnden Umgange mit andern Menschen in der &#8222;Freiheit&#8220; der Andern seinen eigensten Welt-Willen hat. Schopenhauer, der der Philosoph des 19. Jahrhunderts sein wollte, w\u00fcrde sehr erstaunt sein, wenn er im 20. Jahrhundert erf\u00e4hrt, was <em>Wille<\/em> ist. Am Urph\u00e4nomen des sich aus sich selbst Bewegenden ist dessen Wille, die Hand zu heben, die <em>sinnlich Wahrnehmung<\/em> seiner Hand, und nicht irgend eine okkulte Kraft des Dinges an sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sch\u00fcler der Geisteswissenschaft wei\u00df nur allzugut, welch grausame Zumutung an den Astronomen und Astrophysiker es bedeutet: diese sollen &#8222;Bewegung&#8220; als &#8222;Philosophie vom Logos&#8220; erfragen. Doch werden es harte und h\u00e4rteste Fragen sein, an die sich die Hoffnung auf \u00dcberwindung des Weltanschauungschaos (und des Weltanschauungsgeschw\u00e4tzes) kn\u00fcpfen kann. Worin anders k\u00f6nnte die B\u00e4ndigung des Chaos bestehen, als in der wechselseitigen Durchdringung von Weltphysik und Weltmoralit\u00e4t?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Annahme &#8222;motorischer&#8220; Nerven ist eine Folge der unm\u00f6glichen Seelenlehre des Aristoteles. Der falsche Seelenbegriff des Thomisten Aristoteles wurde im Abendlande juristisch sanktioniert, um sp\u00e4ter zum blinden Vorurteil von &#8222;Wissenschaft&#8220; zu werden, derart, dass selbst ein Ernst Mach zum Nutznie\u00dfer eines schwer ausrottbaren &#8222;psychologischen&#8220; Irrtums wird. Der weltverw\u00fcstende Irrtum eines heidnischen Griechen wird durchschaut werden, wenn die den Namen &#8222;Mensch&#8220; Tragenden beginnen, ihren Wert nicht als isolierte und verkrampfte &#8222;Substanzen&#8220; zu haben, sondern in ihrem <em>Dabeisein<\/em> beim Sich-Wahrnehmbar-Machen des Logos, als <em>Teilnehmer<\/em> am &#8222;wirklichen&#8220; Menschen. Sie werden ihre Eigenbewegung als ihre Wahrnehmung des Eigners der Welt-Bewegung wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat nicht Martin Luther das Abendland gewarnt vor der allzuoptimistischen Ansicht, die den Namen &#8222;Mensch&#8220; Tragenden seien aus sich heraus Selbstbeweger und Selbstwirker? Das Abendland h\u00f6rte die Warnung Luthers sehr wohl &#8211; im kirchlichen Tridentinum. Luther wollte das &#8222;wirkliche&#8220; Wirken <em>Einem<\/em> vorbehalten, ohne die &#8222;Freiheit des Christenmenschen&#8220; zu kr\u00e4nken. Luther sprach von seiner Welttat mit den Worten: &#8222;Die Erstlinge der Erkenntnis und des Glaubens Christi habe ich gesch\u00f6pft, n\u00e4mlich, dass wir nicht durch Werke, sondern durch den Glauben Christi gerecht werden. Ich bin der gewest, dem es Gott zum ersten offenbaret bat.&#8220; Die &#8222;Freiheit&#8220; fiel zur Zeit Luthers exklusiv in den &#8222;<em>Glauben<\/em>&#8222;; sp\u00e4ter wird die Freiheit <em>wissend<\/em>, d.h. im Nach-<em>Denken<\/em> der Mitteilungen des Geistes \u00fcbend erprobt werden k\u00f6nnen. Wir haben dem Wehen des Geistes das &#8222;wo Er will&#8220; nicht zu befehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Physiker sich als Gottesgelehrte, und die Physiologen sich als Gelehrte der &#8222;Seele&#8220; ernst nehmen wollten, so k\u00f6nnten sie \u2013 au\u00dfer bei Goethe \u2013 bei Martin Luther ankn\u00fcpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lamone, 12. April &#8230;&#8230;    (Karl Ballmer, Buch <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.edition-lgc.de\/i.php?n=A-buch.B56\" target=\"_blank\">&#8222;Ehrung&#8220;<\/a>, Ed. LGC )<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Naja, bis hierher liest wohl keiner. Wer&#8217;s trotzdem bis hier unten schafft, bekommt zur Belohnung den Hinweis auf das Werken und Wirken des Schweizer Publizisten <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.christoph-pfluger.ch\/\" target=\"_blank\">Christoph Pfluger<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Max Stirner- ist das ein &#8222;Waldorf-P\u00e4dagoge&#8220; ? anhand des Textes &#8222;\u00dcber das unwahre Prinzip unserer Erziehung&#8220; werden Grundgedanken der Erziehung besprochen. Im Zentrum steht die Frage: Was heisst eigentlich &#8222;Freiheit&#8220;? (Egoismus vs. Gemeinschaftsbildung) Friedrich Nietzsche oder: wie weit reicht die Skala der menschlichen Instinkte und Motive Um Ostern war das Thema: Das Wesen des Menschen: &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/juraferien.ch\/?page_id=755\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eSeminare am Kaminfeuer\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":412,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"class_list":["post-755","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/juraferien.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/juraferien.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/juraferien.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/juraferien.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/juraferien.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=755"}],"version-history":[{"count":39,"href":"https:\/\/juraferien.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/755\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1487,"href":"https:\/\/juraferien.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/755\/revisions\/1487"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/juraferien.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/juraferien.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}