Die „Pädagogische Provinz“ – eine Utopie ?

(vgl. auch microecole.fr oder tinyschool.info)

Kinder wollen keine halben Sachen 

Seit etwa 150 Jahren lebt die europäische Menschheit mit der gesetzlichen „Schulpflicht“ . Wie kam es dazu? Mit der Entwicklung der öffentlichen Schule ist ganz untergründig verknüpft die seltsam klingende Frage: Wem g e h ö r t eigentlich der „Mensch“ ?

Nach der Emanzipation des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens aus den Händen der Aristokratie und der Kirche, fiel die Aufgabe der schulischen Bildung dem Staat zu, dessen Primat mittlerweile – im Zuge der internationalen Ökonomisierung/Kapitalisierung – am zerbröckeln ist. Die Erosision dieser obersten staatlichen Autorität war indessen schon im Keimzustand des staatlichen Schulzwangs veranlagt – so bezeugen es die ersten Pioniere einer echten Menschen- und Menschheitsbildung. Einer von diesen, der Freiheitsphilosoph Otto Heinrich Jäger, formulierte zur fatalen behördlichen Kolonisierung von Erziehung und Bildung: „Und wirklich, – war auch kennete nicht die obligate Erscheinung des von Rechts- und Staatswegen patentierten und beorderten und mit hoher obrigkeitlicher Polizeigewalt ausgestatteten Jugendversorgers (Lehrperson) im Vollgefühle seiner Amtswürde, Macht und Hochwohlweisheit und in der Besessenheit seines Diensteifers – diese furchtbare Geisel der Menschheit. (….) Die gewöhnliche Frucht ist jetzt das blasierte und polizeidienerhaft positive Bewusstsein, was hinfort geruhig sein Quantum Futter wiederkäut, das …. leidlich das leidlich das Leben dieser Welt nach Stand und Berufsmöglichkeit geniesst, ohne sich weiter abzuhärmen über seine Geheimnisse und Rätsel und Nöten und Kämpfe und über das ewig wunderbare Lebensuniversum, was in Wahrheit der Mensch selbst ist als freies geistiges Wesen….“ (vgl. Freiheitslehre als System der Wissenschaft, Zürich 1859)

Vor dem Hintergrund des Wissens um das „wunderbare Lebensuniversum“ wird sich jede wahre Erziehung zwangsläufig aus den Händen der staatlichen Behörden, des „Experten“tums, auch des expandierenden Wirtschaftspragmatismus befreien. Auch der Glanz der Digitalisierung ist keine Alternative angesichts der Aufgabe, den heranwachsenden Menschen die Augen auf das „freie geistige Wesen“ zu öffnen. Mit dem Blick auf dieses geistige Wesen ist auch die Frage beantwortet, wem der Mensch denn eigentlich „gehört“. Er gehört weder dem Staat, noch den Wirtschafts- bzw. Finanzinteressen, er gehört – sich selber, insofern er sein Selbst als ein substanzielles Wesen in die eigenen Hände, bzw. in die eigene Gedankenwelt nehmen kann. Letztlich dienen Erziehung und Schule dem e i n e n Ziel: diesen Prozess zu wecken und zu fördern. Erst von diesem Horizont aus können die konkreten Fragen nach dem „richtigen“ Unterricht angegangen werden. Jeder Versuch, diesen Blick auf das „Wesen“ eilig überspringen oder ignorieren zu wollen, führt auf Dauer zu unbefriedigenden Scheinlösungen.

Gibt es Grundregeln für eine Schulform, die nicht als Zwang, sondern als freudiges Tun empfunden würde?

Ein guter Unterricht soll absolut frei gestaltet sein? Vorerst ist das eine Utopie, die heutigen Schulen bewegen sich – wissend oder nicht – zwischen Skylla und Charybdis (Privatschule, Staatsschule, Eliteschulen, Wissenschafts- und Wirtschaftszwänge, Modetrends…) – Welches sind die Ziele einer wirklich freien Schule für alle, auch wenn diese zunächst utopisch erscheinen?

Einstweilen – Krisenschulen, Notlösungen, „Schulpsychologie“, Therapien und „Förderungen“ aller Art? Varianten von digital schooling und Homeschooling als notdürftige Alternative? permanenter Reibach mit staatlichen Kontrolleuren, „Hochwohlweisheit“ und „Diensteifer“ (s.o.)?

Vielleicht: raus aus dem Land ?

naheligend – Fluchtbewegungen aller Art, ideologischer Rückzug in die „Natur“, Un-schooling.

gibt es denn Anderes als die „Konditionierung“ durch Vater Staat (diesem Diener der finanziell-digitalen Matrix), oder anderes Konsens-Verhalten aller Arten?

Was soll denn werden mit Mathematik/ Erd-, Pflanzen-, Tierkunde / Sprachen / Musik / Theater… ?

gibt es – bescheidene Anfänge, jenseits ideologischer Zwangsjacken?

„Was immer du tun kannst oder erträumst zu können, beginne es. Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft. Beginne es jetzt.“ (JWG)

Und nie aus den Augen verliegen: was ist eigentlich das Ziel der „Schule“? – des Lebens überhaupt? Wem gehört denn nun das liebe Menschlein? Was ist das oberste Ziel? Individuation oder Assimilation ins soziologische Kollektiv? ( Ganz unten, spontan gefunden, ein Gedicht eines „Frühvollendeten“).

Motto: Das Alte stürzt / es ändert sich die Zeit / und neues Leben blüht aus den Ruinen (F.Schiller, Wilhelm Tell)

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Was machen denn die Mohikaner auf „Kamo“ ? Wie soll mans nennen?

NATURSCHULE ? Farmschooling ? Edukamo ? Initiamo? Skola europae ?

wie heißt es doch gleich:

„L’audace a du génie, du pouvoir, de la magie”.

weiter auf www.tinyschool.info oder www.microecole.fr

Ausmisten endlich !
hmm – „Kinderarbeit“ ??
Wohin geht der Weg ? – Pädagogik beginnt in der „analogen“ Welt..
ja, die analoge Welt – nebst der virtuellen Verkitschung gibt’s die künstlerische Verklärung !
Hier gleich noch eine weitere „Schülerarbeit“ aus Kamo
„Futterproduktion“ auf Hof Kamo: hier eine grafische Verklärung: Akrobatik im Heustock – vgl. www.microecole.fr oder www.tinyschool.fr

Was gibt’s denn für Alternativen zum üblichen Schulbetrieb? Die Frage drängt…

Klar ist wohl, dass im Zentrum der Bemühungen die (existenzielle) Begegnung der Lehrenden und Lernenden stehen sollte – denn das Ideal der „Erziehung zur Freiheit“ ist immer die Frucht der konkreten schicksalshaften Wirkungen, da doch „Freiheit“ – soll dieses Ziel keine leere Worthülse sein – immer nach Drama riecht.

Zurück zur Frage „wem gehört der Mensch“ : soll er sich selbst (statt den Konventionen, dem Staat oder der Finanzmacht) gehören, dann wird er sich zu diesem „sich selbst“ irgendwie gedankenvoll (und herzkräftig) auf den Weg machen müssen. (Auch Gesundheit/Krankheit („Immunität“) seines körperlichen Einzeldaseins hängen damit zusammen, wie nah oder fern sich das individuelle Bewusstsein seinem Ursprung und Wesenskern weiß, oder zu wissen bemüht. Der wahre „Pädagoge“ würde auf das innere Potenzial seiner „Zöglinge“ ablähmend wirken, wenn ihm seine eigenen Lebenskeime abdorren, bzw. im Dickicht des institutionalisierten Betriebes (egal welcher Richtung!) längst vertrocknet sind. – Ideale Lösungen oder Patent-Methoden kann es im Reich des Schulgeschehens nicht geben, hier lebt alles von der Kraft der spontanen Beseelung, Beobachtung, der Geistesgegenwart, etc. Verheerend wäre, wenn das Kind als „kleiner Erwachsener“ eingestuft würde..

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Hier ein Einzelbeispiel aus der Zeit des proletarischen Erwachens..

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/29/Braun_otto_1914.jpg

NB Der „früh-vollendete“ junge Otto Braun wurde zeitweise unterrichtet von Herman Schmalenbach, (ein Pädagoge und gleichzeitig ein Phänomenologe des Bewusstseins) der später (gest.1950) in Basel wirkte. (Diesem ist die Schrift „Ehrung“ von Karl Ballmer zugedacht) hier einige traurig-tragische Zeilen des 20Jährigen,:

DIES IST BESTIMMT

Genommen hast du mir, was du gegeben./ Wars auch nicht viel,/ Mir schien’s die Sonne im verhängten Leben,/ Dir nur ein Spiel./ Nun geh, ich habe nichts von dir zu fordern,/ Ich bleib allein./ Dies ist bestimmt: mir kämpfen und verlodern,/ Dir glücklich sein.